Verschwinden

Der Tod eines Menschen ist so natürlich wie das Leben, doch um ihn ranken sich zahlreiche Mythen, Gerüchte und Klischees. Überdies wird der Tod nicht selten tabuisiert. Was etwa den Umgang mit einem Toten betrifft, bevor er bestattet wird, so existieren in den Köpfen der Menschen etliche Vorstellungen, die nicht oder nur teilweise wahr sind – wie zum Beispiel die Vorstellung, dass den Verstorbenen Herzschrittmacher und Hüftgelenke entfernt werden. Doch die Realität sieht anders aus: Sie zeigt, dass solche Eingriffe nicht praktiziert werden. Im Gegenteil: Es gilt die Auffassung, dass solche Eingriffe unwürdig sind und einer Körperverletzung gleich kommen. Bleibt der Blick hinter die Kulissen verwehrt, fehlt schliesslich auch die Diskussionsgrundlage. Diesbezüglich wird der Tod und das, was unmittelbar nach ihm mit den Menschen passiert, gesellschaftlich tabuisiert. Die Reinigung, die Einkleidung, die Aufbahrung, all diese Prozesse, welche zur Bestattung des Toten führen, werden oftmals ausgeblendet, entweder bewusst oder unbewusst. Das Ziel dieser Arbeit ist aus letztgenanntem Grunde demnach nicht nur, einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen, sondern den menschlichen Tod als natürliche Komponente des Lebens stärker zu beleuchten und diesen oft „totgeschwiegenen“ Abschnitt des Lebens zu enttabuisieren.