Schwäber

Industrie trifft Natur trifft Mensch, verschlungene Pfade, ewig verbunden, ein Band zieht sich vom Ursprung durch die Geschichte in die Gegenwart: Das Flussbad Schwäbis in Thun ist ein Ort, den die Gesichter von Arbeit, Naturgewalt und Musse geformt haben. Seit jeher ist der Schwäber eine kleine Oase der Ruhe und Entspannung. Am Rande der Altstadt Thuns gelegen, nimmt es, nahe am Puls der Gesellschaft, die Menschen für sich ein. Und bleibt doch sich selbst. Unberührt vom Fortschritt und dem emsigen Steineaufeinandertürmen der Schaffer mit den weissen und gelben Helmen.

Da ist dieser Pfad, der durch Gebüsch und seltene Beerensträucher führt. Asyl für Seelenheilsucher, Garant für friedliches Nebeneinander, Hort für die, die Schutz suchen – vor allzu neugierigen Blicken.

Da ist diese Rutschbahn, die in die fliessende Ruhe selbst zeigt, die Aare.

Da sind diese Schornsteine auf der gegenüberliegenden Seite, die Zeugnis ablegen von Knochenarbeit in der Selvefabrik. Ruinen erzählen stumm von industriellem Grosseifer, schwer verdauliche Geschichten in schwarzweiss.

Da ist dieser Neubau entlang der wilden äusseren Aare, markant, fast protzig der Kontrast zur alten Selve, deren verblasste Lebensmühe schimmert auf den Dächern im Sonnenlicht.
Und da ist dieses Nichtschwimmerbecken, inmitten der rauen äusseren und ruhigen inneren Aare, jäh getrennt durch Betonlinien. Dazwischen das Wasser, scheinbar jedem Zustrom und Einfluss entronnen, nur hier und nur jetzt. Der einsame Sonnenanbeter lässt den Sommertag vor sich hin plätschern.

Er ist ganz bei sich selbst.
Wie das Flussbad Schwäbis.

 

Fotos: Ramon Lehmann
Text: Dino Dal Farra